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Digitale Strategien sind «Species rara»

11 min.
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von Marc K. Peter

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Viele Schweizer KMU haben dringenden Nachholbedarf. Dies zeigen die Resultate einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), die in Partnerschaft mit der Bank WIR entstanden ist.

Das Projektteam der FHNW Hochschule für Wirtschaft und des Strategylab hat sich zum Ziel gesetzt, KMU bei der Entwicklung und Planung ihrer Unternehmensstrategien im digitalen Zeitalter zu unterstützen. In der nun vorliegenden Grundlagenstudie mit Praxisleitfaden nahmen über 1800 Personen teil. Davon wurden 390 Geschäftsleitende aus KMU telefonisch befragt.

Die Forschungsresultate bestätigen die Annahme, dass die wenigsten Schweizer KMU (dafür mehr Grossunternehmen) über eine digitale Strategie verfügen. Nur die Hälfte der KMU hat eine formulierte Strategie, welche die digitale Stossrichtung (als Bestandteil der Unternehmensstrategie oder separat) für die nächsten Jahre festhält. Dieser Wert ist in einem wettbewerbsintensiven, von neuen Technologien getriebenen Umfeld zu niedrig.

Es führen auch nur die Hälfte der Schweizer KMU mindestens einmal jährlich eine Marktanalyse durch, ein Viertel sogar nie. Es darf also gefragt werden, weshalb die Hälfte der Schweizer KMU ohne digitale Strategie im Geschäft ist und weshalb ein Viertel der KMU nie den eigenen Markt analysiert. Gründe dafür gibt es wohl viele, aber betriebswirtschaftlich sinnvoll ist das Auslassen dieser Managementaufgaben nicht.

«Ein Drittel der KMU geht davon aus, dass digitale Strategien der Konkurrenz das eigene Geschäft bedrohen.»

Gleichzeitig hat Corona/COVID-19 das Unternehmertum beeinflusst. Durchschnittlich schätzen die befragten Geschäftsführerinnen und -führer den Einfluss von Corona auf ihre Unternehmensstrategie mit einer 4,5 auf der 10er-Skala ein. Über die Hälfte der KMU geht davon aus, dass die Unternehmensstrategie in den nächsten zwei bis drei Jahren aufgrund der andauernden Digitalen Transformation angepasst werden muss.

Ein Drittel der KMU geht davon aus, dass digitale Strategien der Konkurrenz das eigene Geschäft bedrohen. Von diesem Drittel verfügt jedoch nur etwas mehr als die Hälfte über eine digitale Strategie. Auch dies ist wiederum ein hoher Anteil von Unternehmen, welche sich bedroht fühlen; und ein zu kleiner Anteil von Unternehmen, welche über eine digitale Strategie verfügen.

ACT-KMU-Strategieentwicklung-im-digitalen-Zeitalter-Whitepaper-Bank_WIR

Downloads zur FHNW-Studie

Forschungsresultate und Praxisleitfaden

Die 340-seitige Publikation der FHNW Hochschule für Wirtschaft und des Strategylab mit vielen Praxistipps, Fachartikeln, Strategievorlagen und Checklisten kann kostenlos als PDF bezogen werden:

 

Der «Digital Strategy Check»

Mit dem Strategiecheck kann jedes KMU selber einen Kurztest durchführen, um die eigene digitale Reife zu messen und den wichtigsten Handlungsbedarf für die eigene Strategie zu ermitteln.

 

Zusammenfassung mit Workshop-Canvas

Die Zusammenfassung auf 20 Seiten mit den wichtigsten Studienresultaten und dem Workshop-Canvas für die Planung und Umsetzung der eigenen Digitalen Transformation können Sie hier kostenlos als PDF herunterladen:

Zum Umsetzungsgrad der Digitalen Transformation wurden insgesamt 35 Massnahmen aus sieben verschiedenen Handlungsfeldern abgefragt. Die Skala reichte von 1 (überhaupt nicht umgesetzt) über 4 (teilweise umgesetzt) bis 7 (voll und ganz umgesetzt). Die Resultate zeigen, dass Schweizer KMU in allen sieben Handlungsfeldern der Digitalen Transformation aktiv sind:

  • Kundenorientierte Produkte, Dienstleistungen und Projekte (auch über digitale Kanäle) (4,0)
  • Prozessoptimierungen und -automatisierungen (4,0)
  • Neue (digitale) Strategien und strategische Partnerschaften (3,9)
  • Neue Ansätze und Methoden in der Führung von Firmen und Mitarbeitenden (3,9)
  • Nutzung von Firmen- und Kundendaten sowie Investitionen in die Cloud (3,9)
  • Investitionen in neue Technologien und die IT-Sicherheit (3,5)
  • Weiterentwicklung des digitalen Marketings und digitaler Kanäle (3,4)

Die Studie zeigt, dass Schweizer KMU viel mehr Energie in Marktanalysen investieren könnten (und sollten), speziell im Vergleich zu der höheren gemessen Aktivität in Grossunternehmen. Analysen würden so auch Input für die vielfach fehlenden digitalen Strategien in KMU liefern. So würde – mit der Analyse und der Erarbeitung von (digitalen) Strategien – die Basis für die eigene Transformation erarbeitet und geplant werden. Es wäre speziell empfehlenswert, den oben genannten Themen, Fragestellungen und Potenzialen in der Strategieentwicklung Zeit und Raum für Diskussionen zu geben.

Der Teil 2 («Planung und Umsetzung der Digitalen Transformation mit der ACT-Methode») erscheint in der Oktober-Ausgabe des «WIRinfo – das Schweizer KMU-Magazin» und wiederum hier auf dem Blog der Bank WIR. Er zeigt KMU, wie sie die wichtigsten Fragen und Themen zur Strategieentwicklung selber mit ihren Teams diskutieren können, um so die eigene Strategie fürs digitale Zeitalter zu erarbeiten.

Fokus Gastgewerbe: viel Aufholbedarf

Corona/COVID-19 hatte, dies zeigte auch die Studie, einen grossen Einfluss auf die Branche «Gastgewerbe, Kunst, Design und Unterhaltung». Auf einer Skala von 1-10 bewerteten die befragten Unternehmen des Gastgewerbes den Einfluss der Corona-Krise mit einer 7,4 (der Schweizer KMU-Schnitt liegt bei 4,5). Die Studie zeigte ebenfalls, dass sich die Branche verändert. Über die Hälfte der Studienteilnehmenden sagt, dass sie in den letzten zwei Jahren ihre Markt- bzw. Marketingpositionierung verändern mussten.

Auf die Frage, ob die KMU mit der Digitalen Transformation zufrieden sind, nimmt das Gastgewerbe den letzten Platz ein: Ein Drittel der Betriebe (31 Prozent) ist mit dem Fortschritt unzufrieden (69 Prozent sind zufrieden). Im Schweizer Durchschnitt ist nur ein Fünftel (19 Prozent) unzufrieden; 81 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden.

Wo sind die digitalen Strategien?

Im Gastgewerbe gibt es am wenigsten digitale Strategien über alle Branchen in der Schweiz hinweg. Nur 35 Prozent geben an, über eine digitale Strategie zu verfügen. Aber weshalb? Es gäbe viel Potenzial bei den sozialen Medien (zum Beispiel mit Bildern von Anlässen, zufriedenen Gästen, neuen Menüs etc.) und den verschiedenen Plattformen für die Bewerbung/den Verkauf und die Heimlieferung von Essen und Getränken. Mit sinnvoller Software kann zudem die Lagerführung, der Einkauf und die Buchhaltung effizienter gestaltet werden. Zudem hilft eine aktualisierte Kundendatenbank, via E-Mail- oder SMS-Marketing die Kundschaft wieder ins Restaurant zu bringen (z.B. mit speziellen Angeboten), wenn diese schon lange nicht mehr «eingekehrt sind».

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Marc K. Peter

Leiter Kompetenzzentrum Digitale Transformation an der FHNW Hochschule für Wirtschaft

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