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WIR: Investieren geht über Lamentieren

4 min.
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von Volker Strohm

12 Beiträge

Der Grundgedanke des 1934 im Zuge der Wirtschaftskrise entstandenen Wirtschaftsrings heute aktueller denn je: Stärkung der Binnenwirtschaft, Förderung der KMU – dem Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Was Unternehmer im WIR-System berücksichtigen müssen, erfahren Sie hier.

«Ich bekomme die WIR nicht los!» Auch schon gehört? Mit grösster Wahrscheinlichkeit, ja. Die Idee der komplementären Währung feiert in diesem Herbst ihren 84. Geburtstag und hat weltweit bis heute einzigartigen Charakter. Denn WIR-Geld ist bereits seit 1936 mit einer Banklizenz verbunden. Neues Geld entsteht durch Kreditvergabe für Investitionen von KMU-Betrieben.

Und trotzdem: Bei vielen Schweizer KMU haftet WIR – bildlich verstärkt noch durch den «berühmt-berüchtigten» Check – der Makel an, träge, ja, geradezu klebrig zu sein. Dabei ist der Grundgedanke des 1934 im Zuge der Wirtschaftskrise entstandenen Wirtschaftsrings heute aktueller denn je: Stärkung der Binnenwirtschaft, Förderung der KMU – dem Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Kerngedanke gestern, heute und morgen: die Solidarität unter Unternehmern.

Neue Kundenkreise und potenzielle Einnahmequellen

Zugegeben: Das Geschäften mit WIR bedarf eines Initialaufwands. Dann nämlich, wenn der optimale Annahmesatz festgelegt werden soll. Durch die Teilnahme am WIR-Netzwerk erschliesst man sich neue Kundenkreise und somit zusätzliche potenzielle Einnahmequellen. Doch bevor es ans Einnehmen geht, sollten die Ausgaben genau analysiert werden. Oder anders formuliert: Huhn und Ei – für einmal in neuen Rollen.

Diese Fragen muss ein Unternehmer zunächst beantworten:

  • Wie viele Prozente des Gesamtumsatzes erziele ich aktuell bereits mit WIR-Teilnehmern?
  • Welchen zusätzlichen Umsatz erwarte ich als WIR-Teilnehmer durch Kundenwachstum?
  • Welche Investitionen, die durch WIR finanziert werden könnten, plane ich in absehbarer Zukunft?
  • Wie viele meiner Lieferanten sind WIR-Teilnehmer – welchen voraussichtlichen WIR-Betrag kann ich dadurch dem Geldkreislauf wieder zuführen?
  • Welchen WIR-Annahmesatz haben meine Branchen-Mitbewerber?

Aus den Antworten lässt sich – bei Bedarf mit Unterstützung durch die Kundenberatung der WIR Bank – der optimale Annahmesatz einstellen. Es gilt: Ein deutlich unter dem Branchenschnitt liegender Annahmesatz verringert die Visibilität und folglich die Motivation von WIR-Teilnehmern, mit diesem KMU neu zu geschäften. Ein zu hoher Annahmesatz entsteht demgegenüber dann, wenn die eingenommenen WIR nicht wieder komplett investiert werden können (im regelmässigen Betrieb oder durch ausserordentliche Investitionspläne). Wir erinnern uns: «Ich bekomme die WIR nicht los!»

Geld nicht horten und renditeoptimieren

Dadurch, dass WIR auch ein starkes KMU-Netzwerk bildet, können Kunden und Lieferanten aktiv untereinander vermittelt werden – entweder analog an einem der zahlreichen Business-Events oder nach der kompletten Modernisierung und Digitalisierung im Herbst 2016 auf einer kostenlosen Online-Plattform namens «WIRmarket», die für die WIR-Welt Treffpunkt, Suchmaschine und Shop in einem ist.

Was gerne übersehen wird: Wer dank Teilnahme im WIR-Netzwerk bei einem Annahmesatz von beispielsweise 20 Prozent einen zusätzlichen Umsatz von 50’000 Franken generiert, nimmt dabei nicht nur 10’000 WIR, sondern gleichzeitig auch 40’000 Schweizer Franken ein. Von Kunden notabene, die ohne Akzeptanz der Komplementärwährung mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht bei diesem KMU eingekauft hätten.

Geld soll nicht gehortet und renditeoptimiert, sondern als Liquidität den Motor der Wirtschaft ölen. Aktuell hat das historische Tiefzinsumfeld die Umlaufgeschwindigkeit des WIR-Geldes heruntergebremst. Doch mit 1,28 Milliarden Franken Umsatz leistet die Komplementärwährung auch nach fast 83 Jahren einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Schweizer Binnenwirtschaft.

Finanzierungen in der Komplementärwährung sind zinslich sehr attraktiv. Im KMU-Standardpaket ist sogar ein kostenloser Sofortkredit von 10’000 WIR enthalten, keine Kommission, keine Zinsen – ganz nach dem Motto: zuerst investieren, dann einnehmen.

Helpy.ch

Der Artikel erschien ursprünglich unter dem Titel «KMU-Geld WIR: Huhn und Ei des Geschäftens» auf der Expertenplattform «helpy.ch» der Stiftung KMU Schweiz.

https://helpy.ch/blog/volkerstrohm/kmu-geld-wir-huhn-und-ei/

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