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Wie man mit dem Mikrofon ein Firmenvideo dreht

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von Markus Gabriel

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Die Budgets von KMU sind begrenzt. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, mit bescheidenen Mitteln ein wertiges Unternehmensvideo herzustellen.

Ein Videodreh ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Zumindest, was die Auslagen betrifft. Technisches Equipment kostet heute noch einen Bruchteil dessen, was früher für gleichwertige Qualität investiert werden musste. HD-Aufnahmen schafft heute sogar jedes gängige Smartphone. Und doch sprengt ein Video oft den finanziellen Rahmen eines KMU, weil es ja auch noch viel kostenpflichtiges menschliches Know-how braucht. Oder etwa nicht?

Die Aufwände konzeptioneller und logistischer Art sind gleichgeblieben: Storyboard, Text, Recherche, Organisation, Besprechungen. Ganz abgesehen davon, gehen ohnehin die besonderen Ideen am meisten ins Geld: Sie können sich oft nur an verschiedenen Drehorten und Drehtagen oder in aufwändigen Special Effects entfalten – und unter dem Talent professioneller Schauspieler.

Dann lieber kein Video

Aber die Budgets von KMU sind begrenzt. Und recht haben alle, die sagen: Lieber kein Video als ein billiges, das dann schnell zur Lachnummer wird. So gesehen sind jene Videos die lustigsten, die mit kleiner Kelle gross anrühren möchten: Laiendarsteller aus dem Personalbestand der Firma, die sich marionettenhaft ans Skript halten und ihren Sprechtext spontan auswendig aufsagen; der Chef, der als Off-Sprecher das ganze Video hindurch aus seinen Prospekten zitiert, und ganz besonders der inszenierte Humor, der dann – unfreiwillig – tatsächlich sehr lustig sein kann. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, mit bescheidenen Mitteln ein wertiges Unternehmensvideo herzustellen.

Was ist Qualität?

Oft wird Qualität mit dem so genannten Production Value gleichgesetzt. Darunter versteht man die hochwertige Anmutung einer professionellen Produktion oder vereinfacht gesagt, den WOW-Effekt eines Videos. Faszinierende Bilder, perfekt geschnitten zur Musik, visuelle und akustische Überraschungsmomente, dramaturgische Raffinesse, schauspielerische Brillanz – das alles schaffen nur Profis mit einem gehobenen Budget. Wer in dieser Disziplin ohne die entsprechenden Mittel mithalten will, macht sich sehr schnell lächerlich.

Authentisches, Echtes und Wahres hebt sich wohltuend ab.

Es gibt aber auch noch eine andere Form von Qualität, die neben Hollywood bestehen kann: Sie nennt sich Authentizität. In einer aufgeblasenen, überästhetisierten Kommunikationswelt hebt sich Authentisches, Echtes und Wahres wohltuend ab. Authentizität zu «produzieren» ist zwar nicht einfach, aber auf jeden Fall kostengünstiger. Filmische «Geschlecktheit» ist in diesem Zusammenhang gar nicht gefragt oder gar kontraproduktiv.

Besorgen Sie sich ein Mikrofon

Nicht der einzige, aber ein sehr guter Weg zu einem authentischen Video führt über das Mikrofon. Vergessen Sie die Bilder, die Story, die Dramaturgie und all den visuellen Schnickschnack. Besorgen Sie sich ein gutes Mikrofon, mit oder ohne zugehörigen Tonmeister, und beginnen Sie mit dem Ton.

Fangen Sie Stimmen ein von Ihren Mitarbeitenden, von Ihren Kunden, von Menschen, die sich über Ihre Firma oder Ihre Produkte gerne äussern. Stellen Sie diesen Menschen interessante Fragen über sich, über die Firma, über das Team. Regen Sie Ihr Gegenüber zum Formulieren und Fabulieren an. Und ja, stellen Sie Fragen auf Antworten, die sie gerne hören (fishing for compliments). Aber drücken Sie auf gar keinen Fall den Interviewten ein Manuskript in die Hand mit Antworten zum Auswendiglernen.

Das menschliche Hirn ist in der Lage, Bild und Ton zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung zu verdichten.

Formulieren Sie dieselben Fragen mehrmals aber immer wieder neu und schaffen sie eine entkrampfte Stimmung. Viele Menschen sind gehemmt, wenn sie etwas in ein Mikrofon sprechen sollen. Wenn aber noch eine Kamera im Spiel ist – mitsamt eine Filmcrew, die hochkonzentriert zuschaut –, dann sind die meisten überfordert und versteifen sich gänzlich. Dagegen ist ein Mikrofon minimal invasiv und schnell vergessen, sobald das Gespräch in Gang gekommen ist. Sie werden reiche Ernte einfahren.

3 Minuten sind genug

Nehmen Sie nun alle Tonaufnahmen und schneiden Sie die Interviewer-Stimme raus. Auch alles, was Ihnen von der Aussage her nicht so gut gefällt. Lassen Sie charmante Stolperer und Versprecher drin. Schneiden Sie die ausgewählten Takes zu einer Tonspur zusammen und stoppen Sie die Zeit. Wenn diese Tonspur länger als drei Minuten ist, überlegen Sie sich gut, wo Sie noch etwas weglassen können.

Natürlich sind Sie frei, wie lange Ihr Firmenvideo dauern soll, aber erfahrungsgemäss hängt der durchschnittliche Internet-User nach drei Minuten ab. Und Sie gehen damit ja nicht ins Kino. Vielleicht haben Sie Material für mehrere kurze Videos gesammelt statt für ein viel zu langes. Ist die Tonspur kürzer – kein Problem: Bewegtes Bild kann es auch gut mit Musik. Aber meistens hat man sowieso zu viel des Guten.

Die Bilder kommen fast von selbst

Wenn Sie mit Ihrer Tonspur glücklich sind, haben Sie bereits mehr als das halbe Video im Kasten. Denn nun ergibt sich das Visuelle fast von alleine. Die Kamera fängt die Bilder ein, die das Gesprochene entweder illustrieren oder komplementieren.

Wenn der Mitarbeiter erzählt, er arbeite schon seit fünfzehn Jahren in der Firma, kann die Kamera den entsprechenden Mitarbeiter an seiner Drehbank zeigen oder genauso gut den Firmentransporter im Gegenlicht. Das menschliche Hirn ist in der Lage, Bild und Ton zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung zu verdichten. Und einem guten Filmer fallen zu Ihrer Tonspur sofort die richtigen Bilder ein.

Authentisch sympathisch

Mit diesem eher reportage-artigen Ansatz opfern Sie die konzeptionelle Kontrolle bewusst der Spontaneität und dem Zufall. Sie sparen sich die Brainstormings Ihres Filmpartners, das Manuskript des Texters, die Schauspieler und Requisiten, die Sprecheraufnahmen im Tonstudio, die entfesselten Special Effects und die Enttäuschung, wenn Ihr Video am Ende mit den richtig fetten Produktionen doch nicht Schritt halten kann.

Sie erhalten dafür aber etwas, das Inszenierungen nur schwer schaffen: authentische Nähe. Das macht Ihre Firma echt sympathisch, gerade weil sie sich ohne Effekthascherei präsentiert. Und weil sie ganz offensichtlich die Menschen in den Mittelpunkt stellt.

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