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Bank WIR wächst «gegen den Strom» auf neues Rekordhoch

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Die Bank WIR ist 2023 erfolgreich unterwegs: In den ersten sechs Monaten hat das starke Wachstum sowohl bei den Hypothekarkrediten wie auch bei den Kundengeldern die Bilanzsumme deutlich auf 6,3 Milliarden Franken ansteigen lassen. Unter dem Strich resultiert ein Gewinn von 11 Millionen Franken.

Die Bank WIR blickt auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2023 zurück: Sowohl bei den Hypothekarkrediten wie auch bei den Kundengeldern verzeichnet die rein schweizerische Genossenschaftsbank ein deutliches Wachstum, was zu einer Bilanzsumme von 6,3 Milliarden Franken führt – erneut ein Höchstwert in der knapp 89-jährigen Unternehmensgeschichte. Unter dem Strich resultiert ein Gewinn von 11 Millionen Franken. «Dieses Ergebnis ist vor allem deshalb erfreulich, weil die Bank WIR im Branchenvergleich punkto Konditionen zugunsten der Kundinnen und Kunden immer wieder ‹gegen den Strom› schwimmt», kommentiert CEO Bruno Stiegeler das Ergebnis. «So haben wir im Gegensatz zur gängigen Praxis in der Finanzbranche die Zinserhöhungsschritte der SchweizerischenNationalbank fürs Sparen und Vorsorgen konsequent weitergegeben und wenden gleichzeitig auf der Kreditseite bei den Geldmarkthypotheken – ebenfalls entgegen dem «Mainstream» – einen sehr kundenfreundlichen und transparenten Zinsmechanismus an.»

Ein Beispiel dafür ist die Einführung des «Sparkonto plus» mit der schweizweiten Top-Verzinsung von 1,8 Prozent, was sich bei den Kundeneinlagen mit einem Wachstum von 3,4 Prozent auf 4,4 Milliarden Franken niederschlägt. «Mit unserer Zinspolitik lösen wir unser Missionsversprechen ein, fürs Sparen und Vorsorgen Top-Konditionen zu bieten», so Stiegeler. Auf der Aktivseite der Bilanz legen die Hypothekarforderungen um 3,8 Prozent auf 4,6 Milliarden Franken zu. «Dabei handelt es sich auf Basis unserer umsichtigen Risikopolitik um ein qualitativ hochwertiges Wachstum», erklärt CFO Mathias Thurneysen. Dies zeigt sich auch im ausgewogenen Refinanzierungsmix aus Kundengeldern und Pfandbriefdarlehen.

Bei den Geldmarkt-Hypotheken hatte sich die Bank WIR beim Wechsel auf den Schweizer Referenzzinssatz Saron im Februar 2020 für die Berechnungsmethode «Last Reset» mit der grössten Transparenz entschieden, bei welcher die Anpassung des Saron bei der Belastung der Zinsen mit einer Verzögerung zu Buche schlägt: «Unsere Kundinnen und Kunden kennen vor Beginn eines Quartals den Zinssatz und werden nicht rückwirkend belastet», so Stiegeler. Zusammen mit den Top-Konditionen auf Spar- und Vorsorgeangebote sowie den angestiegenen Refinanzierungskosten (etwa für Pfandbriefdarlehen) führt dies zu einer bewusst in Kauf genommenen leichten Reduktion des Nettoerfolgs im Zinsengeschäft um 3,4 Prozent auf 31,9 Millionen Franken.

Wie gewohnt übertrifft die Kapitalbasis der Bank WIR die regulatorischen Anforderungen bei weitem: Gemessen an den Eigenmittelvorschriften nach Basel III liegt die BIZ-Ratio per 30. Juni bei 15,8 Prozent (regulatorischer Zielwert: 12,2 Prozent) und die Leverage Ratio bei 8,6 Prozent (regulatorischer Zielwert: 3,0 Prozent). «Die Bank WIR ist kerngesund und äusserst solide aufgestellt», so Thurneysen.

Diese Einschätzung teilen auch die Kapitalgebenden: Trotz sehr volatiler Marktsituation hat der Kurs des Beteiligungsscheins seit Jahresbeginn um 3,2 Prozent auf 480 Franken zugelegt – die von der Generalversammlung Anfang Juni genehmigte Dividendenausschüttung von 10.75 Franken (Rendite: 2,2 Prozent) pro Titel noch nicht berücksichtigt.

Weiter in der Erfolgsspur befindet sich VIAC: Die erste volldigitale Wertschriften-Vorsorgelösung der Schweiz zählt per 30. Juni rund 82 700 Kundinnen und Kunden (+4,6 Prozent seit Jahresbeginn). Die verwalteten Vermögen («Assets under management») betragen 2,6 Milliarden Franken, was einem weiteren Wachstum von 19 Prozent seit Jahresbeginn entspricht. «Diese Zahlen wirken sich auch nachhaltig auf unsere Ertragsseite aus», so Thurneysen. Gleichzeitig haben die Bank WIR und das VIAC-Team die Entscheidung getroffen, das Erfolgsmodell weiter auszubauen. «Kommendes Jahr soll die Plattform mit freiem Wertschriftensparen erweitert werden», lässt sich Stiegeler in die Karten blicken.

Die dafür notwendigen Kosten führen unter anderem zu einem höheren Sachaufwand. Weitere Gründe für den Anstieg um knapp zwei Millionen Franken (+15 Prozent) sind Umsetzungsprojekte aus der agilen Strategieentwicklung, wie etwa innovative Entwicklungen rund ums Thema Komplementärwährung, die konsequente IT-Modernisierung unter anderem mit Realisierung der Cloud-Strategie sowie der sehr erfolgreiche erstmalige Auftritt als Premium Partner an der Tour de Suisse. Die höheren Personalkosten erklären sich durch die bereits im Jahresergebnis angekündigte Lohnsummenerhöhung um 2,5 Prozent sowie die erfolgreiche Rekrutierung und Besetzung von Stellenvakanzen.

Trotz einer weiteren Gebührensenkung beim digitalen Wertschriften-Vorsorgesparen VIAC und des weiter harzigen Geschäfts mit der Komplementärwährung WIR konnte der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft praktisch gehalten werden. Abgeschlossen ist zudem der bereits im vergangenen Jahr kommunizierte sukzessive Abbau der Handelspositionen. «Das Gesamtergebnis der Bank WIR wird nun berechenbarer», erklärt Thurneysen den strategischen Schritt.

Für das zweite Halbjahr geht die Bank WIR von einem stärkeren Zinsengeschäft aus. Im weiterhin anspruchsvollen Umfeld prognostiziert Stiegeler fürs gesamte Geschäftsjahr 2023 ein gesundes Wachstum: «Wir wollen unsere starke Position als Spar- und Vorsorgebank sowie als Bau- und Immobilienfinanzierungspartnerin weiter ausbauen.»

Auf den 1. Januar 2024 verschlankt die Bank WIR zudem Strukturen und Prozesse: Neu in der verkleinerten Geschäftsleitung vertreten sind mit Alexander Rohrbach (40, Banking Operations) und Andreas Rogler (52, IT & Services) die Leiter von zwei neuen Bereichen. Sie ergänzen die Geschäftsleitung mit den bisherigen Mitgliedern Bruno Stiegeler (58, CEO), Matthias Pfeifer (41, Privat- und Firmenkunden) und CFO Mathias Thurneysen (38).