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Digitalisierung: Kampf der KMU-Stakeholder

3 min.
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von Gernot Sauerborn

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Gemeinsame Interessen von Fachbereichen und IT-Dienstleistern können den Unternehmenszielen langfristig widersprechen. Es gilt für KMU-Chefs, diese unheiligen Allianzen rechtzeitig zu erkennen.

Ja, das wäre schön: Alle, wirklich alle Beteiligten, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer, arbeiten auf Ihr Ziel bei der Digitalen Transformation hin, ohne dass sie (auch) eigene Interessen verfolgen. Es geht nur um den Erfolg Ihres Unternehmens.

Diese Illusion muss niemandem genommen werden: Jede/Jeder ist erfahren genug, dass diese Vorstellung unrealistisch ist. Wo gibt es also während der Umsetzung der Digitalen Transformation in Ihrem KMU unterschiedliche Interessen und mögliche Interessenkonflikte?

Interessen der Stakeholder

Ihre Fachbereiche (Marketing, Vertrieb, Produktion etc.) wünschen sich ein hohes Mass an Autonomie und Flexibilität, um die von Ihnen gesteckte Zielen zur Digitalen Transformation möglichst schnell zu erreichen. Gleichzeitig ist die Unsicherheit über die zukünftigen Anforderungen hoch: Es ist daher der natürliche Impuls, sich möglichst wenig und möglichst spät in fachlichen Anforderungen festzulegen. Die Forderung nach einem verbindlichen Fachkonzept, nach konsistenten, über die Fachbereiche hinweg abgestimmten Anforderungen, nach professionellem Projektmanagement oder nach Einhaltung von IT-Architektur stören dabei.

Ihre IT-Dienstleister haben während der Angebotsphase möglichst niedrige Preise geboten, um den Zuschlag zu erhalten. Ein Teil ihres Gewinns entsteht erst aus zu späten Änderungen in den Anforderungen und durch unzureichende vertragliche Spezifikationen. Bei unklaren IT-Architekturvorgaben werden auch IT-Systeme doppelt entwickelt und Schnittstellen zwischen ihnen nicht effizient realisiert. Auch dies trägt zur Umsatzsteigerung bei. Die Konsequenzen einer fehlenden IT-Architektur hatte ich in meinem ersten Blog-Beitrag «IT-Architektur: Basis der digitalen KMU-Transformation» bereits aufgezeigt: Ihr KMU verliert an Wettbewerbsfähigkeit.

Unheilige Allianzen

Die beiden Stakeholder haben ähnliche Interessen: Die Forderung der Fachseite nach Autonomie und Flexibilität läuft synchron mit den ökonomischen Interessen Ihres IT-Dienstleisters. Diese gemeinsamen Interessen widersprechen jedoch langfristig Ihren Unternehmenszielen. Es gilt also, dass Sie als Unternehmer frühzeitig gegensteuern, falls solche unheiligen Allianzen deutlich werden.

Unterstützung kann Ihnen eine neu ausgerichtete, geschäftsorientierte IT-Abteilung mit klarer «Governance» bieten. Folgende Rollen sind in der Transformationssituation hilfreich:

  • Projektmanager, die auf klar formulierte Ziele achten und ändernde fachliche Anforderungen in einen definierten Change-Prozess (ggf. mit der Geschäftsleitung als Eskalations- und Entscheidungsgremium) überführen
  • Business-Analysten, die mit konstruktiven Fragen die Fachabteilungen zur Präzision in ihren Anforderungen bringen und gleichzeitig abschätzen können, welche Anforderungen zu hoher Umsetzungskomplexität führen
  • IT-Architekten, die zusammen mit den Business-Analysten einen Gesamtblick auf die IT-Landschaft Ihres Unternehmens haben und redundante oder inkonsistente Entwicklungen erkennen
  • IT-Einkäufer und Service-Manager, die die juristischen und kommerziellen Fallstricke von IT-Dienstleistungen kennen und diese vorab vermeiden können

Einige der Skills für diese Rollen haben Sie heute wahrscheinlich bereits in Ihrem Unternehmen, manche der Skills müssen wahrscheinlich erst entwickelt oder rekrutiert werden. Fangen Sie frühzeitig damit an! Die Effektivität der Digitalen Transformation Ihres Unternehmens wird deutlich steigen.

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Gernot Sauerborn

Management-Berater, Inhaber und Geschäftsführer der Sauerborn Management Consulting GmbH (www.sauerborn.ch)

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