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«Digitalisierte KMU haben Grund zur Hoffnung»

12 min.
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von Jonas Kiefer

22 Beiträge

Tino Krause ist Länderchef für den deutschen Sprachraum bei Facebook. Im Interview erzählt er von den Auswirkungen der Covid-19-Krise – und erzählt wie KMU sich für einen finanziellen Zuschuss bewerben können.

WIRblog: Tino Krause, Du bist «Country Manager DACH», also Länderchef für den deutschen Sprachraum bei Facebook. Wie hast Du den Lockdown und den Restart erlebt?

Tino Krause: Wie alle Facebook-Mitarbeiter arbeite ich seit Mitte März im Home-Office. Mein Büro ist seitdem meist der Wintergarten meiner Schwiegereltern. Natürlich mussten wir uns auch erst an diese neue Art des Arbeitens anpassen und unsere eigenen Erfahrungen sammeln. Es ist aber interessant zu beobachten, wie neue Formen des Miteinanders im Team, aber auch mit den Kunden entstanden sind – und wie schnell sich alle an die neue Situation gewöhnt haben. Aus meiner Perspektive haben sich einige Dinge in diesen Zeiten als Erfolgsrezepte bewährt: mehr Energie in die Vorausplanung zu investieren, Entscheidungen proaktiver zu kommunizieren und generell besser zu dokumentieren. Und das wichtigste: Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und Verständnis füreinander haben.

Die KMU hat den Lockdown besonders hart getroffen. Inwieweit beschäftigt das auch einen Grosskonzern wie Facebook?

Der Lockdown beschäftigt uns natürlich alle. Aber um die Lage und die speziellen Bedürfnisse der KMU in dieser schwierigen Zeit konkret zu verstehen, haben wir im Mai ein Gemeinschaftsprojekt mit der Weltbank und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die Digitale Wirtschaftsstudie (Future of Business Survey), ins Leben gerufen. Dabei befragen wir KMU kontinuierlich in mehr als 50 Ländern und Regionen nach ihren Erfahrungen und ihrem Bedarf an Unterstützung. Was wir in den Ergebnissen gesehen haben, ist, dass besonders soziale Medien dabei helfen können, bestehende Kundenbeziehungen aufrechtzuerhalten, neue Kunden zu erreichen und letztlich Umsätze zu generieren.

«Mein Büro ist meist der Wintergarten meiner Schwiegereltern.»

Erkennst Du bei den KMU durch die Krise ein höheres Innovationspotential?

Generell birgt eine Krise auch enorm viel Innovationspotential. Und KMU waren sicher ganz vorne mit dabei. Vor allem von diesen Unternehmen haben wir viele kreative Lösungen gesehen, mit denen sie die Ausrichtung ihres Geschäftsmodells quasi über Nacht angepasst haben. Diese unzähligen Beispiele haben verdeutlicht, wie wichtig und hilfreich digitale Kanäle für Unternehmen sind.

Die Bereitschaft von Konsumenten und Konsumentinnen, lokale KMU zu unterstützen, ist aktuell gross. Inwieweit spürt ihr das auch auf Eurer Plattform?

Dass digitalisierte KMU Grund zur Hoffnung haben, belegt eine von Facebook in Auftrag gegebene Konsumentenstudie von Deloitte, bei der über 6000 Konsumentinnen und Konsumenten in 13 Ländern zu ihrem Kaufverhalten befragt wurden. 48 Prozent der Befragten kaufen seit Beginn der Corona-Krise verstärkt online ein. Darüber hinaus haben 40 Prozent angegeben, ihren Social-Media-Konsum erhöht zu haben, um sich online über Produkte und Unternehmen zu informieren. Zwei Drittel der Befragten haben über digitale Medien neue Unternehmen für sich entdeckt. In der Studie gaben 73 Prozent der Befragten an, dass es sich bei mindestens einem Unternehmen, das sie seit Beginn der Corona-Krise neu entdeckt haben, um ein Kleinunternehmen handelt; bei 60 Prozent der Befragten sogar um ein Kleinunternehmen aus ihrer Region. Die Bereitschaft von Konsumentinnen und Konsumenten, lokale KMU zu unterstützen, ist also tatsächlich gross. Mit Blick in die Zukunft ist es für KMU deshalb umso wichtiger, ihre Kundschaft dort anzusprechen und abzuholen, wo sie sich aufhalten – im digitalen Raum.

«Zwei Drittel der Befragten in der Konsumentenstudie haben über digitale Medien neuen Unternehmen für sich entdeckt.»

Ihr habt die Aktion #WirliebenMittelstand initiiert. Wie unterstützt Facebook konkret KMU?

Uns war schnell klar, dass unterschiedliche Branchen und Personengruppen auch ganz verschiedene, massgeschneiderte Hilfestellungen benötigen. Deshalb setzen wir genau hier an und haben unter dem Motto #WirliebenMittelstand seit Juli bisher schon über 11’000 Unternehmerinnen und Unternehmer digital fit gemacht. Vor allem haben wir Bedarf in den Branchen Reise, Gastronomie und Handel ausgemacht, für die wir spezifische Trainings angeboten haben. Zudem haben wir in unserer Serie «Digital durchstarten» jeden Dienstag Unternehmen aus diesen drei Branchen Live-Coachings angeboten. In diesen sind unsere Marketing-Experten auf die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen eingegangen und haben Lösungen vorgestellt. Daneben haben wir ausserdem insgesamt 100 Millionen Dollar Fördergelder in Form von finanziellen Zuschüssen und Werbegutschriften bereitgestellt, um kleine und mittlere Unternehmen gezielt zu unterstützen. Wir arbeiten aktuell auch an einem dedizierten «Digital durchstarten»-Format für die Schweiz.

Das Thema Fördergelder ist angesprochen. Facebook hat ein Zuschuss-Programm für KMU gestartet: Wie kann man davon profitieren?

Ziel der Fördermassnahmen ist es, insbesondere KMU dabei zu unterstützen, Liquiditätsengpässe zu überbrücken und laufende Kosten zu decken. Darüber hinaus soll Unternehmen aber auch die Möglichkeit gegeben werden, mehr Kunden zu erreichen und ihre Community zu stärken. Für die Förderung von KMU in der Schweiz und in Deutschland stehen insgesamt 2,7 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Konkret können sich KMU in Zürich, dem schweizerischen Standort von Facebook, bis einschliesslich 15. Oktober für das Förderprogramm bewerben. Teilnahmeberechtigt sind alle Unternehmen, die zwischen zwei und 50 Mitarbeitende beschäftigen, seit mindestens 12 Monaten bestehen und in den letzten Monaten erschwerte Geschäftsbedingungen aufgrund der Corona-Krise erlebt haben.

 

Lesen Sie im zweiten Teil in der kommenden Woche, wie KMU mit der Digitalisierung umgehen, welche Tools Facebook für sie bereithält – und welchen Stellenwert die Schweiz als kleines Land generell für den US-Konzern hat.

Interview-Serie mit Tino Krause

Tino Krause leitet seit Februar 2019 als Country Director DACH die Geschäftsentwicklung des Unternehmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in führenden Mediaagenturen und Unternehmen gilt er hierzulande als einer der wichtigsten Experten und Vertreter der Marketingbranche. 

Bevor Tino Krause zu Facebook wechselte, war er Chief Executive Officer bei MediaCom, Deutschlands grösster Mediaagentur, und kümmerte sich dort insbesondere um die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens. Zu seinen Aufgaben zählten ausserdem die Optimierung des Bestandskundengeschäfts sowie der Kundenausbau. 

Von 2013 bis 2017 war Tino bei der Mediaagentur MEC (heute Wavemaker), wo er erst in der Rolle des Chief Operating Officers und ab 2016 als Chief Executive Officer arbeitete. Vor seinem Wechsel zu MEC sammelte er langjährige Erfahrungen bei grossen Unternehmen: Fast fünf Jahre war er bei Telefónica in Madrid und übernahm dort schnell die Position des Head of Media & CRM Communication. Zuvor war Tino bei der Audi AG tätig und übernahm dort die Verantwortung für das nationale Mediamanagement. Seine Karriere begann er bei MediaCom, nachdem er 2002 erfolgreich das Studium der Business Administration an der Friedrich-Schiller-Universität Jena abschloss.

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