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Digitale Transformation: «Oberste Führungsebene etwas zu optimistisch»

4 min.
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von Volker Strohm

16 Beiträge

Fast 2600 Personen hat die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) für ihre Studie «KMU-Transformation – als KMU die digitale Transformation erfolgreich umsetzen» befragt. Besonders auffällig: Auf Führungsebene finden sich die wenigsten Personen, welche die Digitalisierung für relevant halten.

«Die kleinen und mittleren Unternehmen sind mit einem starken Selbstbewusstsein unterwegs», so bereits das Fazit der WIR-KMU-Studie vom Herbst 2016. «Sie schaffen durch eine extreme Kundenorientierung und Flexibilität täglich Mehrwert beim Konsumenten», erklärte Bruno Catellani, Geschäftsführer der ValueQuest GmbH, welche die «Zukunfts-Fitness» im Auftrag der WIR Bank damals untersucht hatte. Allerdings: 30 Prozent gingen bei Digitaler Transformation in der Tendenz von einem Modebegriff aus, der wieder verschwinden wird.

Gleichzeitig zeigte sich aber, dass KMU fast schon «stillschweigend» und «automatisch» entsprechende Projekte angehen und umsetzen, die unter diesem Begriff zu subsumieren sind. «KMU sind weniger an theoretischen Konzepten und umfassenden Strategien interessiert, sondern an einfachen und pragmatischen Massnahmen, die dem Kunden einen Mehrwert liefern», so Catellani.

Bei der nun vorliegenden FHNW-Studie handelt es sich nun nach eigenen Angaben um die grösste Umfrage einer Hochschule, die zum Thema der Digitalen Transformation bei Schweizer Unternehmen durchgeführt wurde. Sie führt zu Tage, dass die Relevanz eines umfassenden Wandels mit 80,3 Prozent sehr hoch ist – mit 73,1 Prozent bei KMU indes tiefer als bei Grossunternehmen (91,7 Prozent).

Faktor Mensch als Barriere

Als grösste Barriere (mit 47,9 Prozent aller Nennungen) wird das fehlende Know-how genannt – «und zwar erstaunlicherweise bei den Führungskräften, also derjenigen Gruppe, die von sich aus dem Unternehmen den grössten Fortschritt in der Digitalisierung und der Innovationsstärke zutraut», heisst es in der Studie. Etwas tiefer, nämlich mit 41,5 Prozent, wird das fehlende Know-how der Mitarbeitenden als Hürde eingeschätzt.

Dass gerade die Führungskräfte vergleichsweise schlecht wegkommen, ist auch Marc K. Peter, Initiant und Projektleiter der Studie, aufgefallen: «Es ist die oberste Führungsebene, welche von sich sagt, dass die Firma innovativ ist, während die Mitarbeitenden diesbezüglich eher konservativer sind. Wir gehen davon aus, dass die oberste Führungsebene dem Thema eine zu geringe Gewichtung beisteuert und gleichzeitig unter Umständen etwas zu optimistisch ist», wird Peter in einem Interview zitiert.

Weitere Widerstände werden im hohen Zeitaufwand sowie in der fehlenden Veränderungsbereitschaft angesiedelt. Bei KMU wird der Faktor Zeit mit 46,3 Prozent übrigens als gesamthaft höchste Barriere eingestuft, was durchaus plausibel tönt. Die fehlende Veränderungsbereitschaft sei von hoher Bedeutung, heisst es in der FHNW-Studie – sie unterstreiche die Wichtigkeit, dass in der Vorbereitung auf Projekte Teams darauf sensibilisiert werden müssen, Wissen zu vermitteln.

Nebst dem Menschen gibt es natürlich weitere Faktoren, welche die Digitale Transformation beeinflussen: IT-Sicherheit und Überlegungen zum Datenschutz werden dabei mit 61,5 Prozent als höchste Risiken eingestuft. Mit deutlichem Abstand werden der Fachkräftemangel (41,7 Prozent) sowie der mögliche Verlust des Arbeitsplatzes (37,1) als Hürde respektive Risiko genannt.

Unterschätztes Content Marketing

Im digitalen Umfeld verändern sich auch der Marketingsansatz beziehungsweise die Werbeform. Die höchste Relevanz erzielt dabei mit 57,5 Prozent laut der 216 Seiten starken Studie das Suchmaschinenmarketing – Fachbegriff SEA für «Search Engine Advertising». Ebenfalls über 50 Prozent der Nennungen erzielen E-Mail- und Social-Media-Marketing.

Allerdings: Mit «lediglich» 40,2 Prozent Relevanz scheint es so, als hätten KMU die Vorteile des Content Marketing noch nicht entdeckt, heisst es. «Gerade im Zusammenhang mit Social-Media-Marketing, das bei KMU mit 47,6 Prozent relativ hoch ist, könnte das Content Marketing zu höheren Erfolgsaussichten mit dieser Werbeform beitragen.»

Handlungsfelder der Digitalen Transformation

«Sind wir bereit?», fragt die Studie – und liefert gleichzeitig auch konkrete Handlungsempfehlungen. Dabei seien laut Peter aus über 4200 Projekten in der Schweiz sieben Kernfelder definiert worden:

  • Customer Centricity: die konstante Kundenorientierung
  • Digital Business Development: neue Strategien und Geschäftsmodelle
  • Digital Leadership & Culture: neue Ansätze in Führung, Kultur und Arbeit
  • Process Engineering: optimierte Arbeitsabläufe und Automation
  • Digital Marketing: neue Plattformen und Kanäle
  • New Technologies: Apps, Internet of Things und Industrie 4.0
  • Cloud and Data: moderne IT-Infrastruktur und neue Erkenntnisse

KMU-Transformation – als KMU die digitale Transformation erfolgreich umsetzen

Alle Details zur FHNW-Studie sind auf der Homepage kmu-transformation.ch zu finden.

FHNW-Studie

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